Warum es im Erwachsenenalter schwerer wirkt, neue Freundinnen zu finden – und was wirklich hilft

Die tiefsten Freundschaften deines Lebens liegen nicht hinter dir.
Viele Frauen sind überzeugt: Die besten Freundschaften meines Lebens liegen hinter mir. Und doch spüren sie diese tiefe Sehnsucht, wenn sie merken, wie viel sie tragen – und wie wenig davon sie wirklich mit jemandem teilen. Sie haben Kontakte, Kolleginnen, vielleicht alte Schulfreundinnen. Und trotzdem fehlt etwas Entscheidendes.

In der Jugend schien Nähe unter Frauen leichter verfügbar. Nicht, weil wir reifer waren. Sondern weil die Struktur uns half. Wir sahen uns täglich, teilten denselben Alltag, dieselben Lehrer:innen, dieselben Unsicherheiten. Freundschaft entstand nicht aus besonderer Tiefe, sondern aus Wiederholung. Gemeinsame Realität schafft Bindung.

 Heute fehlt diese Struktur. Unsere Kalender sind voll, unsere Lebenswege unterschiedlich, unsere Themen komplexer. Man plant Treffen Wochen im Voraus, erzählt die Kurzfassung und spart sich den Rest für später. Später kommt selten.

Dazu kommt etwas, das viele nur heimlich denken: Manche Jugendfreundschaften sind nicht mehr das, was sie einmal waren. Du hast dich verändert. Vielleicht hast du Therapie gemacht, Krisen durchlebt, neue Fragen gestellt. Vielleicht hast du gelernt, Dinge auszusprechen, die früher unter der Oberfläche blieben.

Manchmal entsteht daraus kein Streit, sondern ein unbehaglicher Abstand. „Ich habe mich verändert – und sie nicht.“ Oder: „Wir kennen uns seit 25 Jahren – aber wir sprechen nicht mehr über das, was wirklich weh tut.“ Das ist kein Vorwurf. Hier gibt es keine Schuldigen. Das ist das ganz normale Leben.

Oft endet das nicht im Bruch, sondern in einer Ausdünnung. Man meldet sich seltener, bleibt höflich, bleibt informiert. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern um die Differenz nicht jedes Mal neu zu spüren. Es ist Selbstschutz. Was bleibt, ist eine Lücke. Und Lücken füllen sich nicht von selbst.

Viele Frauen fragen sich an diesem Punkt ganz praktisch: Neue Freundinnen finden im Erwachsenenalter? Und zwar nicht oberflächlich, sondern so, dass echte Nähe entsteht – ohne mich zu verbiegen oder kleiner zu machen? Wie soll das gehen?

Und dann gibt es noch eine zweite Wahrheit, die selten ausgesprochen wird:

Viele Frauen haben Angst vor anderen Frauen – auch wenn sie es nicht zugeben würden

Die Sehnsucht nach echter Verbundenheit ist groß. Genau deshalb ist die Angst so präsent. Wer sich wirklich Nähe wünscht, riskiert etwas.

Viele Frauen haben Erfahrungen mit Konkurrenz, Vergleich oder subtiler Abwertung gemacht. Mit dem Gefühl, nicht ganz dazuzugehören oder nicht richtig zu sein. Auch wenn sie heute reflektiert und stabil sind, erinnert sich der Körper an diese Dynamiken.

Die Angst zeigt sich selten offen. Sie zeigt sich als Vorsicht. Als Distanz. Als „Ich habe gerade einfach keine Zeit für neue Freundschaften.“ Dabei ist die Sache mit dem Zeitmangel oft nur vorgeschoben. Ein Versuch, dem Risiko aus dem Weg zu gehen. Denn je wichtiger etwas für uns ist, desto verletzlicher macht es uns, danach zu greifen.

Mit diesem Wissen bin ich in meine erste Online-Runde der Selflove Sisterhood gestartet. Ich hatte jahrelang Frauenkreise offline erlebt, mitgeleitet, vertretungsweise geführt. Ich wusste, was entstehen kann, wenn Frauen sich regelmäßig begegnen und ehrlich werden. Was ich nicht wusste, war, ob das auch online trägt.

Meine Sorge war nicht technisch. Ich wusste, wie man Zoom benutzt. Meine Sorge war: Glauben sie mir? Lassen sie sich ein? Vertrauen sie einem Raum, der digital beginnt? Ich versprach Nähe. Und das ist ein hoher Anspruch.

Was dann geschah, überraschte mich.

Es funktionierte. Und in mancher Hinsicht sogar besser als offline. Frauen saßen in ihren eigenen Räumen, mit ihrer eigenen Tasse, ihrer eigenen Decke. Sie konnten Nähe dosieren, sich zurücklehnen, sich regulieren. Genau diese Kontrolle schuf Sicherheit. Und diese Sicherheit ermöglichte Ehrlichkeit.

Vor Kurzem erzählte eine der Teilnehmerinnen in der Runde, wie sie zwei Jahre lang ein Projekt aufgebaut hatte. Mit Herzblut. Mit Überstunden. Mit Identifikation. Dann kam eine neue Kollegin. Und sie merkte, wie man sie Stück für Stück aus ihrem eigenen Projekt drängte. Nicht offen. Nicht offiziell. Sondern strategisch.

Ihr Chef sah es – und griff nicht ein.

Gleichzeitig war ihr Vater gesundheitlich in einer Krise. Die Mutter bereitete Sorgen. Es war Winter. Und sie saß in diesem Call mitten in diesem Kampf.

„Wie soll ich mich denn noch ausdrücken“, sagte sie, „damit die mich endlich verstehen?“

Sie glaubte noch, es sei ein Kommunikationsproblem. Dass sie nur klarer, sachlicher, überzeugender werden müsse.

Wir durften ihr etwas anderes spiegeln. Dass es den anderen nicht darum ging, sie zu verstehen. Dass es kein Missverständnis war. Dass sie in einem System arbeitete, das gerade dabei war, sie rauszuekeln. Und dass sie sich nicht noch perfekter ausdrücken musste, um das zu verhindern.

Das war kein Trost. Das war ehrliche Spiegelung in einer Runde erfahrener Frauen.

Und dann verschob sich der Fokus. Weg von „Wie überzeuge ich sie?“ hin zu „Wie gehe ich da mit Würde hindurch?“ Wie bleibe ich bei mir? Wie kann ich so damit umgehen, dass ich mir am Ende noch selbst in die Augen sehen kann?

Es war kein Heile-Heile-Gänschen-Moment. Es war gemeinsames Durchstehen. Der Kern von Freundschaft.

Ein paar Tage später schrieb sie mir, dass sie zunächst Angst gehabt habe, die Gruppe mit dieser Geschichte zu überfordern. Dass sie dachte, sie sei eine Zumutung.

Und erst nachdem sie sich den anderen zugemutet hatte, konnte sie das Wort anders hören. „Ich habe das Wort ‚Zumutung‘ immer falsch verstanden. Ich habe es als Urteil gehört. Als: Du bist zu viel. Jetzt höre ich es anders. Zu-MUT-ung. Wenn ich mich zeige, kommt Mut in den Raum.“

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kein esoterischer Hokuspokus, versprochen!

 

 

Genau hier liegt der Unterschied zwischen Kontakt und Verbindung. Nähe entsteht nicht durch gelegentliche Treffen, sondern durch geteiltes Erleben. Durch Wiederholung. Durch Parallelität. Deshalb ist Phase 1 der Selflove Sisterhood auf 28 Tage angelegt. Nicht als Kurs mit fünf Terminen, sondern als gemeinsam verbrachte Zeit.

Tägliche Impulse begleiten den Alltag. Begegnungen finden regelmäßig statt. Themen werden nicht nur besprochen, sondern gemeinsam durchlebt. Bonding entsteht, weil wir etwas parallel erleben. So wie früher in der Schule – nur bewusster.

Diese vier Wochen sind eine Probezeit. Für die Frauen und für mich. Ich prüfe, ob die Bereitschaft da ist, Verantwortung für die eigenen Gefühle zu übernehmen und sich wirklich einzulassen. Die Frauen prüfen, ob sie sich sicher fühlen und merken: Es geht. Ich darf hier sein.

Selbstliebe ist in diesem Modell nicht das Ziel. Sie ist die Eintrittstür. Was danach entsteht, ist Gemeinschaft. Frauen, die sich nicht nur inspirieren, sondern sich gegenseitig tragen. Die merken, dass sie nicht konkurrieren müssen, um dazuzugehören.

Mit jedem Durchlauf wird mir klarer: Die tiefsten Freundschaften deines Lebens liegen nicht hinter dir. Sie brauchen Struktur, Wiederholung und Mut. Und einen Raum, in dem sich Sehnsucht nicht länger gegen Angst verteidigen muss. Diesen Raum zu erschaffen ist meine Arbeit.

Wenn dich diese Gedanken persönlich berühren, dann lade ich dich ein, meinen Newsletter zu abonnieren. Dort schreibe ich regelmäßig über genau solche Themen – über Gemeinschaft, über weibliche Verbundenheit und darüber, wie wir sie im Erwachsenenleben bewusst gestalten können.

Die tiefsten Freundschaften deines Lebens liegen nicht hinter dir. Sie warten nicht auf den richtigen Zeitpunkt. Sie warten nur auf deine Entscheidung.